Alkohol und Drogen in der Gastronomie

9. Nov. 2025

„Wir haben die Drogen vergessen… und den Alkohol auch!“ – so klang Anfang des Jahres ein Anruf von Billy bei unserer Haus- und Hofphilosophin. Wir mussten lachen, denn: Recht hatte er. Bei allem, was Sie vom Nobelhart & Schmutzig lesen, erwähnen wir gefühlt alle zweitausend Wörter das Berghain, legen Ihnen den gepflegten Absturz an der langen Theke durchaus nahe, bemühen die buntesten Saufeuphemismen („Ritterrüstung verbeulen“ anyone?) – aber in unserem Guide of Conduct fehlte das Naheliegendste. 

Kein Wort zu Alkohol, keins zu Drogen. In einer Stadt wie Berlin, in einer Branche wie der unseren. Und das, obwohl laut Schätzungen rund jede*r Siebte in Deutschland Alkohol in problematischem Maß konsumiert. Ein blinder Fleck – bei uns, wie auch gesellschaftlich.

Ein guter Anlass also, dieses schwierige Thema aufzugreifen. Denn letztlich geht es in unserem Guide of Conduct genau darum: Wie man in der Gastronomie einen wertebasierten, von gemeinsamer Verantwortung getragenen Arbeitsplatz gestalten kann. (Nicht zuletzt dafür haben wir auch 2024 bei der The World’s 50 Best Restaurants den Sustainability Award gewonnen.) 

Und ja, es ist schwierig. Einerseits liegt ein dickes Tabu über dem Thema, andererseits ist gerade unsere Branche voller Berührungspunkte mit Alkohol. In manchen Berufen – etwa als Sommelier*e – trinkt man sogar professionell. Gleichzeitig müssen wir uns als Arbeitgeberin fragen, welche Probleme tatsächlich individuell sind und welche systemisch: ob Alkohol und Drogen also eher Symptom eines überlasteten Arbeitsumfeldes sind – und die Veränderung zumindest teilweise bei uns beginnen muss. Ebenso aber auch: Was ist Fürsorge, und wo beginnt Bevormundung?

Fest stand für uns auf jeden Fall: Wir wollen die Dinge aus dem Schatten holen. Deswegen ist unsere Antwort auch weniger starre Vorschrift als eine Einladung zur kritischen Auseinandersetzung – allein, im Team und in der Branche.

Das zentrale Anliegen – wie in eigentlich allem, das wir tun – besteht für uns darin, dass jede und jeder in Team bewusste Entscheidungen trifft. Alkohol- und Drogenkonsum sind ganz einfach Realität. Und während wir unsere Verantwortung als Arbeitgeberin ernst nehmen, erwarten wir gleichzeitig, dass erwachsene Menschen auch sorgsam mit sich selbst und miteinander umgehen.

Darum gibt es einige klare Regeln und Grenzen.

Beispiel 1: Wir haben Verständnis dafür, dass Menschen in ihrer Freizeit feiern, in Clubs gehen und dabei vielleicht auch mal etwas konsumieren. Das ist soweit okay. Nicht okay ist es, wenn jemand sich nach zu viel Sisyphos oder Berghain krank meldet – und Kolleg*innen ihren freien Tag opfern müssen, um einzuspringen. Oder wenn jemand noch halb im Delirium zum Dienst erscheint und sich selbst oder andere gefährdet.

Beispiel 2: Wir trinken nicht mit Gästen. Nicht, weil wir Spaßverderber wären, sondern weil wir unsere Aufgabe anders verstehen. Wir schaffen den Rahmen, in dem andere trinken, essen, genießen. Dafür müssen wir selbst klar im Oberstübchen bleiben. Das größte Kompliment ist für uns deshalb kein gemeinsamer Schnaps, sondern ein Trinkgeld. Wir sind hier für Ihren bestmöglichen Rausch – und zelebrieren unseren eigenen im Privaten, genauso wie Sie auch. 

Die vielleicht sensibelste Frage an der ganzen Auseinandersetzung für uns:

Was passiert, wenn wir merken, dass jemand im Team in problematischem Maß trinkt? Die Hemmschwelle, das anzusprechen, ist groß. Verständlich. Deshalb haben wir es so geregelt, dass solche Fälle an unsere externe Vertrauensperson gehen können. Sie unterliegt der Schweigepflicht (ja, auch der Geschäftsführung/dem Führungsteam gegenüber) und hilft, einen unterstützenden, nicht stigmatisierenden Umgang zu finden.

Warum das alles? 

Weil wir glauben, dass diese Dinge offen thematisiert werden müssen. Auch wenn’s kompliziert wird. Und weil wir überzeugt sind, dass eine Gastronomie, die gut für ihre Mitarbeitenden ist, am Ende auch die bessere Erfahrung für ihre Gäste schafft. Wir wissen, dass wir es nicht immer perfekt hinkriegen. Aber darum geht es auch nicht. Es geht darum, hinzusehen, zu reden, zu lernen und gemeinsam besser zu werden. 

Und genau dafür gibt es unseren Guide of Conduct: ein lebendiges Dokument, das mit uns wächst – jedes Mal, wenn die Frage lautet: „Und was ist eigentlich mit …?“


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Für alle, die tatsächlich gern die Anleitung lesen: bitte sehr, hier gibt’s unseren Guide of Conduct zum Download. Gerne zur Inspiration, aber nicht zur eigenen Nutzung – Strg-C + Strg-V gilt nicht. Wenn Sie etwas daraus nutzen wollen oder sich einen eigenen Guide of Conduct wünschen, stellen wir gern den Kontakt zu unserer wunderbaren Beraterin/Autorin her.

Hier geht es zu den offenen Stellengesuchen

 

Alkohol und Drogen in der Gastronomie

9. Nov. 2025

„Wir haben die Drogen vergessen… und den Alkohol auch!“ – so klang Anfang des Jahres ein Anruf von Billy bei unserer Haus- und Hofphilosophin. Wir mussten lachen, denn: Recht hatte er. Bei allem, was Sie vom Nobelhart & Schmutzig lesen, erwähnen wir gefühlt alle zweitausend Wörter das Berghain, legen Ihnen den gepflegten Absturz an der langen Theke durchaus nahe, bemühen die buntesten Saufeuphemismen („Ritterrüstung verbeulen“ anyone?) – aber in unserem Guide of Conduct fehlte das Naheliegendste. 

Kein Wort zu Alkohol, keins zu Drogen. In einer Stadt wie Berlin, in einer Branche wie der unseren. Und das, obwohl laut Schätzungen rund jede*r Siebte in Deutschland Alkohol in problematischem Maß konsumiert. Ein blinder Fleck – bei uns, wie auch gesellschaftlich.

Ein guter Anlass also, dieses schwierige Thema aufzugreifen. Denn letztlich geht es in unserem Guide of Conduct genau darum: Wie man in der Gastronomie einen wertebasierten, von gemeinsamer Verantwortung getragenen Arbeitsplatz gestalten kann. (Nicht zuletzt dafür haben wir auch 2024 bei der The World’s 50 Best Restaurants den Sustainability Award gewonnen.) 

Und ja, es ist schwierig. Einerseits liegt ein dickes Tabu über dem Thema, andererseits ist gerade unsere Branche voller Berührungspunkte mit Alkohol. In manchen Berufen – etwa als Sommelier*e – trinkt man sogar professionell. Gleichzeitig müssen wir uns als Arbeitgeberin fragen, welche Probleme tatsächlich individuell sind und welche systemisch: ob Alkohol und Drogen also eher Symptom eines überlasteten Arbeitsumfeldes sind – und die Veränderung zumindest teilweise bei uns beginnen muss. Ebenso aber auch: Was ist Fürsorge, und wo beginnt Bevormundung?

Fest stand für uns auf jeden Fall: Wir wollen die Dinge aus dem Schatten holen. Deswegen ist unsere Antwort auch weniger starre Vorschrift als eine Einladung zur kritischen Auseinandersetzung – allein, im Team und in der Branche.

Das zentrale Anliegen – wie in eigentlich allem, das wir tun – besteht für uns darin, dass jede und jeder in Team bewusste Entscheidungen trifft. Alkohol- und Drogenkonsum sind ganz einfach Realität. Und während wir unsere Verantwortung als Arbeitgeberin ernst nehmen, erwarten wir gleichzeitig, dass erwachsene Menschen auch sorgsam mit sich selbst und miteinander umgehen.

Darum gibt es einige klare Regeln und Grenzen.

Beispiel 1: Wir haben Verständnis dafür, dass Menschen in ihrer Freizeit feiern, in Clubs gehen und dabei vielleicht auch mal etwas konsumieren. Das ist soweit okay. Nicht okay ist es, wenn jemand sich nach zu viel Sisyphos oder Berghain krank meldet – und Kolleg*innen ihren freien Tag opfern müssen, um einzuspringen. Oder wenn jemand noch halb im Delirium zum Dienst erscheint und sich selbst oder andere gefährdet.

Beispiel 2: Wir trinken nicht mit Gästen. Nicht, weil wir Spaßverderber wären, sondern weil wir unsere Aufgabe anders verstehen. Wir schaffen den Rahmen, in dem andere trinken, essen, genießen. Dafür müssen wir selbst klar im Oberstübchen bleiben. Das größte Kompliment ist für uns deshalb kein gemeinsamer Schnaps, sondern ein Trinkgeld. Wir sind hier für Ihren bestmöglichen Rausch – und zelebrieren unseren eigenen im Privaten, genauso wie Sie auch. 

Die vielleicht sensibelste Frage an der ganzen Auseinandersetzung für uns:

Was passiert, wenn wir merken, dass jemand im Team in problematischem Maß trinkt? Die Hemmschwelle, das anzusprechen, ist groß. Verständlich. Deshalb haben wir es so geregelt, dass solche Fälle an unsere externe Vertrauensperson gehen können. Sie unterliegt der Schweigepflicht (ja, auch der Geschäftsführung/dem Führungsteam gegenüber) und hilft, einen unterstützenden, nicht stigmatisierenden Umgang zu finden.

Warum das alles? 

Weil wir glauben, dass diese Dinge offen thematisiert werden müssen. Auch wenn’s kompliziert wird. Und weil wir überzeugt sind, dass eine Gastronomie, die gut für ihre Mitarbeitenden ist, am Ende auch die bessere Erfahrung für ihre Gäste schafft. Wir wissen, dass wir es nicht immer perfekt hinkriegen. Aber darum geht es auch nicht. Es geht darum, hinzusehen, zu reden, zu lernen und gemeinsam besser zu werden. 

Und genau dafür gibt es unseren Guide of Conduct: ein lebendiges Dokument, das mit uns wächst – jedes Mal, wenn die Frage lautet: „Und was ist eigentlich mit …?“


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Für alle, die tatsächlich gern die Anleitung lesen: bitte sehr, hier gibt’s unseren Guide of Conduct zum Download. Gerne zur Inspiration, aber nicht zur eigenen Nutzung – Strg-C + Strg-V gilt nicht. Wenn Sie etwas daraus nutzen wollen oder sich einen eigenen Guide of Conduct wünschen, stellen wir gern den Kontakt zu unserer wunderbaren Beraterin/Autorin her.

Hier geht es zu den offenen Stellengesuchen