Heimat #5: Polpette (Nina Serra, Sardinien)

11. Juli 2026

 

Vielleicht ist Heimat kein Ort, sondern ein Gefühl: Sie entsteht in Erinnerungen, in Gerüchen, in Gerichten, die etwas in uns berühren, bevor wir überhaupt Worte dafür haben. In dieser Serie widmen wir uns wechselnden Klassikern, die nach Heimat schmecken – aus unterschiedlichen Küchen, aus unterschiedlichen Biografien. Inspiriert von den Menschen, mit denen wir hier in Berlin leben und arbeiten. 

Heimat #5: Polpette (Nina Serra, Sardinien)

Im Herbst, wenn die Tomaten süß und reif sind und die unbändige Hitze – wenn man das überhaupt so sagen kann – ausnahmsweise mal für etwas gut ist, widmen wir uns in unserer Heimat-Serie einem Gericht, das aus entsprechend sonnenverwöhnten Gefilden den Weg zu uns gefunden hat: Polpette, also Fleischbällchen in Tomatensauce. Patin des Rezepts ist dieses Mal Nina Serra, eine Freundin von Billy, die aus Sardinien stammt.

Ninas Geschichte steht stellvertretend für eine nicht ganz untypische Wahl-Berliner*innenbiografie einer bestimmten Generation. 2005 kam sie, frisch nach dem Studium, zum ersten Mal nach Berlin, zunächst nur, um eine Freundin zu besuchen, die damals hier Erasmus machte. Das waren die Hoch-Zeiten von „arm, aber sexy“. Platz gab es genug, Kunst, Musik, Partys sowieso; Wohnungen waren bezahlbar, Sekt auf Eis kostete 2,50 Euro. Klar, nicht alles war perfekt – der Blick in die Vergangenheit, auch in die urbane, ist schließlich immer ein verklärter –, aber vieles schien damals möglich. Auf jeden Fall stieg Nina damals in Schönefeld aus dem Flieger, machte sich auf den Weg in die Stadt, kam an der Warschauer Straße an und wusste sofort: „Hier bin ich frei.“ Und: „Jetzt bin ich zuhause.“ Zum ersten Mal in ihrem Leben, wie sie sagt. 

Und doch gibt es da die Verbindung zu ihrer ursprünglichen Heimat, zu den Eltern, in Sardinien. Für die steht stellvertretend die Polpette. 

Jedes Mal, wenn Nina sich Richtung Sardinien aufmacht, freut sie sich auf den großen Topf davon, der zuhause auf sie wartet. Mit dem Land, dem Ort an sich, so schön er auch sein mag, sagt Nina, verbinde sie nicht mehr viel. Aber das – die Liebe der Eltern, vor allem auch ausgedrückt über das Essen und dieses spezielle Rezept – da kommt dann doch dieses bestimmte, nicht ganz greifbare Gefühl auf: Eine tiefe Verbundenheit und Wärme, die eher in Sinnen als in Worten existiert. 

Apropos Rezept: Wie bei jedem Klassiker der Hausmannskost gibt es natürlich auch bei den Polpette so viele Rezepte wie Menschen, die sie kochen. Das Rezept von Ninas Mama, das sagt Nina selbst, sei weder besonders fancy noch aufwändig. Ihre Mama habe immer viel zu tun gehabt; es habe schnell gehen müssen, also keine Zeit für kleinteilige Vorbereitung oder Filigranität. Es sei, so Nina, sicherlich nicht die raffinierteste Version des Gerichts. Und dann formulierte sie auch eine Sorge: Passt so etwas einfaches wie Mamas “Hackbällchen mit Tomatensauce” überhaupt in eine Sterneküche!?

Eine berechtigte Frage, die wir durchaus mit einem klaren Ja beantworten können. Mehr noch: Gerade so etwas vermeintlich Einfaches sollte man einmal in der Sterneversion probieren. Etwas, bei dem jede hervorragende Zutat ihren Platz hat, sorgsam ausgewählt ist und für sich sprechen darf; wo sich nichts verstecken lässt; wo nicht technische Komplexität beeindrucken soll, sondern Präzision wirken darf. Dann sind es gerade die simpelsten Gerichte, die einen in ihrer Unmittelbarkeit und Emotionalität am meisten umhauen.

Auch wenn wir hier nicht in Sardinien sind, können wir gerade zu dieser Jahreszeit auf der Zutatenseite etwas wirklich Wunderbares schaffen. Das Kalbfleisch kommt selbstverständlich von Viola und David Peacock vom Erdhof Seewalde. Und bei den Tomaten schauen wir im August einfach, welche den sardischen am nächsten kommen.

Dazu gibt es ganz klassisch leicht geröstetes Sauerteigbrot von Sironi mit herrlicher Kruste. Es erinnert Nina an das traditionelle sardische Civraxiu, mit dem sie die Polpette zuhause gerne gegessen hat. 

Und das muss man Berlin, bei aller Veränderung in den vergangenen zwanzig Jahren, vielleicht tatsächlich lassen: Essen kann man in der Stadt heute deutlich besser als damals.

Was:
Heimat #5: Polpette (Nina Serra, Sardinien)

Wann:
Dienstag bis Donnerstag, ab 11. August 2026 bis Ende September 2026.
18:00 Uhr – 20:15 Uhr
21:00 Uhr – Ende

Preis:
39,00 € pro Person für einen Teller Polpette in Tomatensauce mit geröstetem Sauerteigbrot von Sironi (inklusive Nachschlag) plus Wegzehrung sowie Brita-Tafelwasser (sprudelnd & still).

Natürlich können Sie auch weitere Gänge aus unserer aktuellen Speisenfolge dazu bestellen.

Anmeldung:
Über den Link

Allergien & Ernährung:
Wenn Sie Freund*innen mitbringen möchten, die kein Fleisch essen, dann finden wir sicherlich einen passenden Gang von der aktuellen Speisenfolge – von den Polpette gibt es allerdings keine vegetarische Version. Allergene, um die wir bei den Polpette nicht drumherum kommen sind: Zwiebelgewächse, Lactose, Eier, Gluten, Kalbsfleisch. 

Getränke:
Sie trinken, wonach Ihnen der Sinn steht – unsere Getränkekarte ist groß genug. Oder Sie lassen sich etwas empfehlen: Wir haben einige spannende Flaschen und offene Weine vorbereitet. Und für alle, die sich nicht unbedingt die Ritterrüstung verbeulen wollen, gibt es selbstverständlich auch Alkoholfreies, etwa unseren kalten Verbene-Aufguss.

 

 

 

Heimat #5: Polpette (Nina Serra, Sardinien)

11. Juli 2026

 

Vielleicht ist Heimat kein Ort, sondern ein Gefühl: Sie entsteht in Erinnerungen, in Gerüchen, in Gerichten, die etwas in uns berühren, bevor wir überhaupt Worte dafür haben. In dieser Serie widmen wir uns wechselnden Klassikern, die nach Heimat schmecken – aus unterschiedlichen Küchen, aus unterschiedlichen Biografien. Inspiriert von den Menschen, mit denen wir hier in Berlin leben und arbeiten. 

Heimat #5: Polpette (Nina Serra, Sardinien)

Im Herbst, wenn die Tomaten süß und reif sind und die unbändige Hitze – wenn man das überhaupt so sagen kann – ausnahmsweise mal für etwas gut ist, widmen wir uns in unserer Heimat-Serie einem Gericht, das aus entsprechend sonnenverwöhnten Gefilden den Weg zu uns gefunden hat: Polpette, also Fleischbällchen in Tomatensauce. Patin des Rezepts ist dieses Mal Nina Serra, eine Freundin von Billy, die aus Sardinien stammt.

Ninas Geschichte steht stellvertretend für eine nicht ganz untypische Wahl-Berliner*innenbiografie einer bestimmten Generation. 2005 kam sie, frisch nach dem Studium, zum ersten Mal nach Berlin, zunächst nur, um eine Freundin zu besuchen, die damals hier Erasmus machte. Das waren die Hoch-Zeiten von „arm, aber sexy“. Platz gab es genug, Kunst, Musik, Partys sowieso; Wohnungen waren bezahlbar, Sekt auf Eis kostete 2,50 Euro. Klar, nicht alles war perfekt – der Blick in die Vergangenheit, auch in die urbane, ist schließlich immer ein verklärter –, aber vieles schien damals möglich. Auf jeden Fall stieg Nina damals in Schönefeld aus dem Flieger, machte sich auf den Weg in die Stadt, kam an der Warschauer Straße an und wusste sofort: „Hier bin ich frei.“ Und: „Jetzt bin ich zuhause.“ Zum ersten Mal in ihrem Leben, wie sie sagt. 

Und doch gibt es da die Verbindung zu ihrer ursprünglichen Heimat, zu den Eltern, in Sardinien. Für die steht stellvertretend die Polpette. 

Jedes Mal, wenn Nina sich Richtung Sardinien aufmacht, freut sie sich auf den großen Topf davon, der zuhause auf sie wartet. Mit dem Land, dem Ort an sich, so schön er auch sein mag, sagt Nina, verbinde sie nicht mehr viel. Aber das – die Liebe der Eltern, vor allem auch ausgedrückt über das Essen und dieses spezielle Rezept – da kommt dann doch dieses bestimmte, nicht ganz greifbare Gefühl auf: Eine tiefe Verbundenheit und Wärme, die eher in Sinnen als in Worten existiert. 

Apropos Rezept: Wie bei jedem Klassiker der Hausmannskost gibt es natürlich auch bei den Polpette so viele Rezepte wie Menschen, die sie kochen. Das Rezept von Ninas Mama, das sagt Nina selbst, sei weder besonders fancy noch aufwändig. Ihre Mama habe immer viel zu tun gehabt; es habe schnell gehen müssen, also keine Zeit für kleinteilige Vorbereitung oder Filigranität. Es sei, so Nina, sicherlich nicht die raffinierteste Version des Gerichts. Und dann formulierte sie auch eine Sorge: Passt so etwas einfaches wie Mamas “Hackbällchen mit Tomatensauce” überhaupt in eine Sterneküche!?

Eine berechtigte Frage, die wir durchaus mit einem klaren Ja beantworten können. Mehr noch: Gerade so etwas vermeintlich Einfaches sollte man einmal in der Sterneversion probieren. Etwas, bei dem jede hervorragende Zutat ihren Platz hat, sorgsam ausgewählt ist und für sich sprechen darf; wo sich nichts verstecken lässt; wo nicht technische Komplexität beeindrucken soll, sondern Präzision wirken darf. Dann sind es gerade die simpelsten Gerichte, die einen in ihrer Unmittelbarkeit und Emotionalität am meisten umhauen.

Auch wenn wir hier nicht in Sardinien sind, können wir gerade zu dieser Jahreszeit auf der Zutatenseite etwas wirklich Wunderbares schaffen. Das Kalbfleisch kommt selbstverständlich von Viola und David Peacock vom Erdhof Seewalde. Und bei den Tomaten schauen wir im August einfach, welche den sardischen am nächsten kommen.

Dazu gibt es ganz klassisch leicht geröstetes Sauerteigbrot von Sironi mit herrlicher Kruste. Es erinnert Nina an das traditionelle sardische Civraxiu, mit dem sie die Polpette zuhause gerne gegessen hat. 

Und das muss man Berlin, bei aller Veränderung in den vergangenen zwanzig Jahren, vielleicht tatsächlich lassen: Essen kann man in der Stadt heute deutlich besser als damals.

Was:
Heimat #5: Polpette (Nina Serra, Sardinien)

Wann:
Dienstag bis Donnerstag, ab 11. August 2026 bis Ende September 2026.
18:00 Uhr – 20:15 Uhr
21:00 Uhr – Ende

Preis:
39,00 € pro Person für einen Teller Polpette in Tomatensauce mit geröstetem Sauerteigbrot von Sironi (inklusive Nachschlag) plus Wegzehrung sowie Brita-Tafelwasser (sprudelnd & still).

Natürlich können Sie auch weitere Gänge aus unserer aktuellen Speisenfolge dazu bestellen.

Anmeldung:
Über den Link

Allergien & Ernährung:
Wenn Sie Freund*innen mitbringen möchten, die kein Fleisch essen, dann finden wir sicherlich einen passenden Gang von der aktuellen Speisenfolge – von den Polpette gibt es allerdings keine vegetarische Version. Allergene, um die wir bei den Polpette nicht drumherum kommen sind: Zwiebelgewächse, Lactose, Eier, Gluten, Kalbsfleisch. 

Getränke:
Sie trinken, wonach Ihnen der Sinn steht – unsere Getränkekarte ist groß genug. Oder Sie lassen sich etwas empfehlen: Wir haben einige spannende Flaschen und offene Weine vorbereitet. Und für alle, die sich nicht unbedingt die Ritterrüstung verbeulen wollen, gibt es selbstverständlich auch Alkoholfreies, etwa unseren kalten Verbene-Aufguss.