Trinkgeld – Realität und Dilemma

13. Sep. 2025

Immer wieder taucht sie auf, die Diskussion: Über die Kreditkarten- und EC-Geräte, die einem bei der Zahlung ungefragt 10, 15 oder 20 Prozent Trinkgeld vorschlagen. Egal ob’s nur ein Kaffee zum Mitnehmen war oder ein Sterne-Menü mit Getränkebegleitung – viele Kund*innen fühlen sich davon genötigt, manche sprechen sogar von Manipulation. Und ja, wir verstehen den Reflex. Wenn die Maschine so etwas aufdrückt, fühlt es sich einfach anders an, als wenn man selbst – aus eigenem Impuls und in Anerkennung des guten Service – etwas mehr dalässt.

 

 

Da wir aber die andere Seite des Tresens (und die Zahlen) kennen, möchten wir eine andere Perspektive aufzeigen. Uns geht es weniger um die Geräte, sondern ums Trinkgeld an sich. Wir vermuten nämlich, dass vielen Menschen außerhalb der Gastro gar nicht bewusst ist, welchen Stellenwert es in Deutschland hat.

Daher sagen wir es mal, wie es ist:

Ihr Trinkgeld ist nicht nur eine nette Geste, sondern subventioniert die Preise in der Gastronomie. 

Auch wenn Ihnen gastronomische Angebote teuer erscheinen: Selbst das aktuelle Niveau lässt sich nur dadurch halten, dass Trinkgeld dazugehört. Würden wir Arbeitgebende den Anteil, den das Trinkgeld ausmacht, offiziell und sozialversicherungspflichtig auszahlen, wären sowohl die Kaffeebude an der Ecke als auch das Sternemenü deutlich teurer.

Und ohne Trinkgeld? Wahrscheinlich keine Mitarbeitenden. Denn Gastronomie ist beim Grundgehalt ein Niedriglohnsektor. Erst die zusätzlichen 25–50 Prozent machen daraus ein Einkommen, das den Job überhaupt attraktiv macht. Jede Gehaltsverhandlung läuft unter diesen Vorzeichen: Was ist das Grundgehalt – und wie viel Trinkgeld kommt realistisch dazu?

Im Nobelhart zahlen wir überdurchschnittliche Gehälter und bieten weitere Benefits. Trotzdem sorgt erst das Trinkgeld dafür, dass die Arbeit gerade im Vergleich zu anderen Branchen wettbewerbsfähig bleibt. Vielleicht denken Sie jetzt: „Aber viele Tätigkeiten in der Gastro sind doch niedrigschwellig, dafür reicht der Mindestlohn.“ Dem widersprechen wir entschieden. Natürlich gibt es Einstiegsjobs ohne große Vorerfahrung. Aber ab einem bestimmten Level hat das nichts mehr mit „angelernter Aushilfe“ zu tun. Damit wir erfahrene, kompetente Menschen halten können – Menschen, die Herz, Hand und Kopf verbinden und einen hochintensiven, körperlich fordernden Job leisten – braucht es derzeit ein vernünftiges Gesamteinkommen aus Grundgehalt plus Trinkgeld.

Warum bildet sich das nicht stärker im Grundgehalt ab?

Das hängt mit der historisch gewachsenen Preisarchitektur zusammen. Kalkulationen im Gastgewerbe sind traditionell auf niedrige Personalkosten ausgelegt – früher, weil Familienangehörige oder Bedienstete un- oder kaum bezahlt mitarbeiteten. Auch heute gilt noch: Betriebe, in denen die Leute extrem viel ackern, haben weniger Kosten als Lokale, in denen die Mitarbeitenden eine klare 40-Stunden-Woche haben. (Wie bei uns.)

Wie dem auch sei: Ohne Trinkgeld geht es nicht, zumindest nicht unter den aktuellen Bedingungen. Uns ist gleichzeitig bewusst, dass das System Nachteile für die Angestellten hat. Ein geringeres offizielles Grundgehalt wirkt sich negativ auf Rente und Arbeitslosengeld aus, und auch bei der Bewerbung auf eine Mietwohnung oder Kreditanträgen ist es kaum hilfreich.

Genau deshalb haben wir im Nobelhart sogar einmal erwogen, das Trinkgeld ganz abzuschaffen und alles über den “offiziellen” Lohn abzurechnen. Abgehalten hat uns damals ein simpler Grund: Würden wir das Trinkgeld in den Nettolohn einpreisen, lägen unsere Preise so deutlich über denen anderer Häuser, dass wir vielleicht gut bezahlte Mitarbeitende hätten, aber nicht genügend Gäste.

Jede*r in der Gastronomie freut sich über die Wertschätzung, die Sie durch Ihr Trinkgeld kommunizieren. Aber es ist eben nicht nur das  – sondern eine Subvention für die Preise in der Gastronomie. 

PS: Wenn der Service nicht ganz so toll war, dann müssen (und sollten!) Sie kein Trinkgeld geben.

 

Trinkgeld – Realität und Dilemma

13. Sep. 2025

Immer wieder taucht sie auf, die Diskussion: Über die Kreditkarten- und EC-Geräte, die einem bei der Zahlung ungefragt 10, 15 oder 20 Prozent Trinkgeld vorschlagen. Egal ob’s nur ein Kaffee zum Mitnehmen war oder ein Sterne-Menü mit Getränkebegleitung – viele Kund*innen fühlen sich davon genötigt, manche sprechen sogar von Manipulation. Und ja, wir verstehen den Reflex. Wenn die Maschine so etwas aufdrückt, fühlt es sich einfach anders an, als wenn man selbst – aus eigenem Impuls und in Anerkennung des guten Service – etwas mehr dalässt.

 

 

Da wir aber die andere Seite des Tresens (und die Zahlen) kennen, möchten wir eine andere Perspektive aufzeigen. Uns geht es weniger um die Geräte, sondern ums Trinkgeld an sich. Wir vermuten nämlich, dass vielen Menschen außerhalb der Gastro gar nicht bewusst ist, welchen Stellenwert es in Deutschland hat.

Daher sagen wir es mal, wie es ist:

Ihr Trinkgeld ist nicht nur eine nette Geste, sondern subventioniert die Preise in der Gastronomie. 

Auch wenn Ihnen gastronomische Angebote teuer erscheinen: Selbst das aktuelle Niveau lässt sich nur dadurch halten, dass Trinkgeld dazugehört. Würden wir Arbeitgebende den Anteil, den das Trinkgeld ausmacht, offiziell und sozialversicherungspflichtig auszahlen, wären sowohl die Kaffeebude an der Ecke als auch das Sternemenü deutlich teurer.

Und ohne Trinkgeld? Wahrscheinlich keine Mitarbeitenden. Denn Gastronomie ist beim Grundgehalt ein Niedriglohnsektor. Erst die zusätzlichen 25–50 Prozent machen daraus ein Einkommen, das den Job überhaupt attraktiv macht. Jede Gehaltsverhandlung läuft unter diesen Vorzeichen: Was ist das Grundgehalt – und wie viel Trinkgeld kommt realistisch dazu?

Im Nobelhart zahlen wir überdurchschnittliche Gehälter und bieten weitere Benefits. Trotzdem sorgt erst das Trinkgeld dafür, dass die Arbeit gerade im Vergleich zu anderen Branchen wettbewerbsfähig bleibt. Vielleicht denken Sie jetzt: „Aber viele Tätigkeiten in der Gastro sind doch niedrigschwellig, dafür reicht der Mindestlohn.“ Dem widersprechen wir entschieden. Natürlich gibt es Einstiegsjobs ohne große Vorerfahrung. Aber ab einem bestimmten Level hat das nichts mehr mit „angelernter Aushilfe“ zu tun. Damit wir erfahrene, kompetente Menschen halten können – Menschen, die Herz, Hand und Kopf verbinden und einen hochintensiven, körperlich fordernden Job leisten – braucht es derzeit ein vernünftiges Gesamteinkommen aus Grundgehalt plus Trinkgeld.

Warum bildet sich das nicht stärker im Grundgehalt ab?

Das hängt mit der historisch gewachsenen Preisarchitektur zusammen. Kalkulationen im Gastgewerbe sind traditionell auf niedrige Personalkosten ausgelegt – früher, weil Familienangehörige oder Bedienstete un- oder kaum bezahlt mitarbeiteten. Auch heute gilt noch: Betriebe, in denen die Leute extrem viel ackern, haben weniger Kosten als Lokale, in denen die Mitarbeitenden eine klare 40-Stunden-Woche haben. (Wie bei uns.)

Wie dem auch sei: Ohne Trinkgeld geht es nicht, zumindest nicht unter den aktuellen Bedingungen. Uns ist gleichzeitig bewusst, dass das System Nachteile für die Angestellten hat. Ein geringeres offizielles Grundgehalt wirkt sich negativ auf Rente und Arbeitslosengeld aus, und auch bei der Bewerbung auf eine Mietwohnung oder Kreditanträgen ist es kaum hilfreich.

Genau deshalb haben wir im Nobelhart sogar einmal erwogen, das Trinkgeld ganz abzuschaffen und alles über den “offiziellen” Lohn abzurechnen. Abgehalten hat uns damals ein simpler Grund: Würden wir das Trinkgeld in den Nettolohn einpreisen, lägen unsere Preise so deutlich über denen anderer Häuser, dass wir vielleicht gut bezahlte Mitarbeitende hätten, aber nicht genügend Gäste.

Jede*r in der Gastronomie freut sich über die Wertschätzung, die Sie durch Ihr Trinkgeld kommunizieren. Aber es ist eben nicht nur das  – sondern eine Subvention für die Preise in der Gastronomie. 

PS: Wenn der Service nicht ganz so toll war, dann müssen (und sollten!) Sie kein Trinkgeld geben.